Dissertation

Mein Dissertationsthema:
Der Entwicklungsstaat im Spannungsfeld zwischen Theorie und Praxis: Ghana und Südkorea im globalhistorischen Vergleich.

In meiner Diplomarbeit schreibe ich in meinem Resümee zum entwicklungshistorischen Vergleich zwischen Ghana und Südkorea Folgendes:

Die vorhandene ideologische Flexibilität wird durch das Aufgreifen und Verwerfen von diversen Entwicklungsstrategien [...] wahrgenommen und umgesetzt. Diese Flexibilität betrifft jedoch vor allem das diskursive Feld Ghanas.
Betrachtet man nun die organisatorischen Felder beider Länder, so wird deutlich, dass es innerhalb des südkoreanischen Wirtschaftsraumes weit bessere Voraussetzungen für eine erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung gab als in dem Ghanas.

Dieses Zitat illustriert die weitere Vorgehensweise meiner Dissertation. Ich unterteile den Vergleich zwischen Ghana und Südkorea in einen entwicklungsdiskursiven und einen enwicklungsorganisatorischen Teil.

Meine Recherchen haben gezeigt, dass dieses Konzept sich mit der Definition eines Entwicklungsstaates deckt. (Zur Definition ) Auch diese unterscheidet im Entwicklungsstaat zwischen einer ideologischen und strukturellen Seite. So erhält man in meiner Arbeit einen vertiefenden Einblick in die Vergangenheit Ghanas und Südkoreas.

Darüberhinaus ist es geradezu erstaunlich inwieweit sich die Struktur des Entwicklungsstaates auch in die Kolonialzeit beider Länder übertragen lässt. So findet man etwa mit der Amtszeit Sir Gordon Guggisberg in den 1920er Jahren in der Gold Coast eine entwicklungsstaatliche Phase vor, die auch spätere noch folgende internventionistische staatliche Phasen in Ghana nachhaltig prägen sollte.

Durch umfangreiche Quellenrecherchen im National Archive in London, konnte ich diese Phasen an kolonialstaatlicher Politik in Verbindung mit einem Entwicklungsdiskurs in der Gold Coast erstmalig aufzeigen. (Dazu habe ich die gesamten Reden und Entwicklungspläne Guggisbergs ausgehoben. Diese liegen nun in digitalisierter Form vor und ich habe sie bereits in meiner Dissertation eingearbeitet.) Selbst die sonst in entwicklungsstaatlichen Fragen sehr zurückhaltende Weltbank Gruppe schreibt in den 1960er Jahren über diese besondere Phase der kolonialen Entwicklungsstaatlichkeit:

Between 1920 and 1927 (Amtszeit Guggisberg [!sic]), investment outlays under this plan produced a considerable increase in the rate of growth. It would not be an exaggeration therefore, to say that Ghana, not the USSR, was the innovator of national development planning in modern times.

In diesem Zitat wird jedoch jegliche kolonialwirtschaftliche Durchdringung und Produktionsweise zu dieser Zeit verschwiegen. Diese Art von Entwicklungsstaatlichkeit diente einzig und allein der landwirtschaftlichen Expansion und der Produktivitätssteigerung innerhalb des Agrarsektors.

Im Gegensatz dazu erfährt jedoch die Kolonialzeit in Ghana in meiner Dissertation eine neue Betrachtungsweise und lässt eine koloniale und eurozentristische Prägung des Entwicklungsdiskurses des späten 20. Jahrhunderts erkennen.